Leistungsphasen

Die Gesamtleistung, die ein Architekt erbringt wird in neun einzelne Leistungsphasen aufgeteilt. In der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) werden diese Leistungsphasen im einzelnen beschrieben und ihr Anteil am Gesamthonorar aufgeführt  

Leistungsphase 1: Grundlagenermittlung

In dieser Phase des Baus klären Architekt und Bauherr die zu erbringende Leistung ab, der Architekt nimmt das zu beplanende Grundstück oder das umzubauende Haus in Augenschein, man erstellt ein Raumprogramm und verschafft sich die notwendigen Rahmeninformationen für das zu planende Objekt, wie z. B. Einsicht in evtl. vorhandene Bebauungs- oder Bestandspläne.

Leistungsphase 2: Vorentwurf

Auf Grundlage der nun vorhandenen Informationen erstellt der Architekt einen ersten Vorentwurf. Dies kann, je nach Größe der Baumaßnahme, im Maßstab 1:200 oder bei kleineren Objekten auch im Maßstab 1:100 geschehen. Der oder die Entwürfe werden besprochen und weiter verfeinert, bis man schließlich den gewünschten Rohentwurf erhält.

Leistungsphase 3: Entwurf

Nachdem man sich in der Vorentwurfsphase auf eine bestimmte Richtung geeinigt hat, wird dieser Entwurf nun weiter ausgearbeitet und dem Bauherren auch entsprechend dargestellt. Anhand von Grundrissen, Ansichten und ggf. auch perspektivischen Darstellungen bekommt der Entwurf nun immer deutlichere Züge. Im Einzelfall ist zu prüfen, ob der Bau eines Modells anzuraten ist um die Gebäudeproportionen besser erlebbar zu machen.

Leistungsphase 4: Baugenehmigung

Jede Baumaßnahme ist vor Beginn der Bauarbeiten zu genehmigen. Die Grundlage hierfür hat der Architekt bereits in den vorangegangenen Phasen geschaffen und seine Planung dahingehend entwickelt, dass diese zu einem positiven Bescheid führen wird. Bei schwierigen Konstellationen wird der Architekt bereits vorab Gespräche mit den entsprechenden Behörden führen und ggf. eine Bauvoranfrage einleiten.

Die Genehmigungsunterlagen enthalten einen Lageplan, der die genaue Lage der Baumaßnahme und des Grundstückes kennzeichnet, alle Grundrisse und Schnitte, sowie Ansichtspläne der Baumaßnahme. Ergänzend zum zeichnerischen Teil werden Berechnungen der Wohn- und Nutzfläche und des „umbauten Raumes” beigefügt. Des weiteren sind ein schriftlicher Antrag notwendig, in dem alle hieran beteiligten Personen (Bauherr, Architekt, Nachbarn) ausgewiesen werden, sowie eine Kurzbeschreibung der geplanten Baumaßnahme mit Angaben über die zu verwendenden Baustoffe.

Zusätzlich fordern die Behörden die Ausarbeitung eines Entwässerungsplanes, mit dem nachgewiesen wird, dass die Ableitung des Regen- und Schmutzwassers in die öffentliche Kanalisation realisierbar ist. Diese Pläne sind von einem Fachingenieur zu erstellen, werden aber bei unkomplizierten Baumaßnahmen (EFH, DHH, o.ä.) In der Regel auch vom Architekten ausgearbeitet und gezeichnet.

Leistungsphase 5: Werk- und Detailplanung

Die vielleicht neben der Bauleitung wichtigste Leistungsphase, aber auch die am häufigsten vernachlässigte!

Eine gute Werk- und Detailplanung spart in der Regel viel Ärger während der Bauleitung, wird aber leider häufig aus Kostengründen „gespart”. So müssen viele Handwerker mit Plänen im Maßstab 1:100 arbeiten, in denen Maßangaben über Fenstergrößen, für Installationsschlitze, ausreichend dimensionierte Deckendurchbrüche und die wichtigen Details zur Gänze fehlen. Unschöne Anschlußdetails und ad-hoc-Entscheidungen vor Ort, deren Tragweite zum Zeitpunkt der Entscheidung gar nicht abgesehen werden können, führen sehr häufig zu unschönen Lösungen und auch Bauschäden. Vor Ort angeordnete Änderungen und Ergänzungen wie z.B. nachträglich herzustellende Deckendurchbrüche, treiben die Baukosten unnötig in die Höhe.

Im Rahmen der Werkplanung erstellt der Architekt Pläne im Maßstab 1:50 nach denen die Handwerker das Bauwerk errichten. Für einzelne Gewerke sind auch Pläne in kleineren Maßstäben (1:20, 1:10, 1:5), die im Extremfall zu Zeichnungen mit dem Maßstab 1:1 führen können, anzufertigen.

Neben den Grundrissen sind Schnittzeichnungen zu fertigen, die alle Höhen exakt definieren, Treppenausbildungen darstellen oder Anschlußdetails klären.

Leistungsphase 6: Vorbereiten der Vergabe

Um Aufträge an einzelne Handwerksfirmen erteilen zu können muss vorab eine Angebotsphase durchlaufen werden. In der Leistungsphase 6 stellt der Architekt gewerkeweise die zu erbringenden Leistungen zusammen, ermittelt die Massen und definiert die zu verwendenden Baustoffe und Materialien.

Diese Zusammenstellung, zusammen mit den zu vereinbarenden Vertragsbedingungen, werden an die einzelnen Firmen gesandt.

Da alle Firmen die gleichen Angebotsunterlagen erhalten, ist ein hier ein quantitativer Vergleich möglich.

Leistungsphase 7: Mitwirken bei der Vergabe

Nach Eingang und Auswertung der Leistungsverzeichnisse berät der Architekt den Bauherren bei der Vergabe der einzelnen Aufträge. Nicht immer muss der Günstigste den Auftrag erhalten. Erfahrungen des Architekten mit den Handwerkern sollten genauso in die Vergabeverhandlungen einfließen wie die Bereitschaft der Anbieter durch eventuelle Nachlässe den Zuschlag zu erhalten.

Leistungsphase 8: Bauleitung

Die wahrscheinlich wichtigste Leistungsphase, steht und fällt ein Bau doch mit dem Engagement und der Präsenz des Architekten vor Ort.

Im Rahmen der Bauleitung koordiniert der Planer die terminlichen Abläufe, besucht die Baustelle, klärt Unstimmigkeiten und Fragen mit den Handwerkern und kontrolliert die Qualität der erbrachten Leistungen.

Im Rahmen der Bauleitung prüft der Architekt eingehende Abschlagszahlungen der Handwerker, die erst nach dessen Freigabe an die Bauherren weitergeleitet und zur Zahlung freigegeben werden. Ebenso gehört das Prüfen der Schlussrechung der einzelnen Gewerke zu den Obliegenheiten des Architekten im Rahmen seiner bauleiterischen Tätigkeit.

Leistungsphase 9: Mängelbeseitigung

Kein Bau ist mängelfrei. Sind es auch oft nur Kleinigkeiten, gerade die sind es, die nur ungern von den Bauausführenden behoben werden (wer fährt schon gerne nur wegen einer etwas quietschenden Tür nochmal auf die Baustelle?).

Durch Einbehalt von 5% der Abrechnungssumme, dem sogenannten „Sicherheitseinbehalt”, wird die Mängelbehebung gewährleistet. Behebt ein Handwerker, trotz mehrfacher Aufforderung und Fristsetzung einen berechtigt gerügten Mangel nicht, so wird unter Heranziehung des Sicherheitseinbehaltes eine Fremdfirma mit den Mängelbehebungen betraut.

Die Feststellung der Mängel, die Benachrichtigung der entsprechenden Firmen und die Koordinierung der Behebung stellt den Leistungsumfang der Phase 9 dar.